Das evangelische Profil der Angebote

„Lasset die Kinder zu mir kommen...“ (Mt 19,14)

Kinder und Jugendliche spielen eine wichtige Rolle in der Kirche. Das würde niemand bezweifeln. Doch wie kinder- und jugendfreundlich sind unsere Angebote?

„...und wehret ihnen nicht!“ (Mt 19,14)

Bauen wir mit unseren Erwartungen, Traditionen, unserer Gestaltung eher Mauern auf oder einen offenen Garten? Fragen wir uns dies, wenn wir Gemeindeveranstaltungen, Unterrichtseinheiten und Gottesdienste planen?

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder!“ (Mt 18,3)

Unsere Verantwortung ist es, die Perspektive der Kinder einzunehmen und zugleich die Perspektive der Jünger Jesu; die Perspektive als Empfänger und als Sender der biblischen Botschaft.

Während wir die Schule selbstverständlich als Bildungsort verstehen, und dort insbesondere den Religionsunterricht, ist uns dies bei den gemeindlichen Angeboten oft weniger bewusst. Dabei dürfen wir jedoch nicht vernachlässigen, dass überall Bildung passiert und dass kirchliche Bindung vor allem auf Beziehung basiert. Solche Beziehungen entstehen in Eltern-Kind-Gruppen, im Kindergottesdienst, im Kindergarten, in Christenlehre und Kinderkirche; in Kinderchören und Jugendgruppen, bei Musik, Sport, Spaß, Gebet, Spiel, Fahrten und anderem mehr.

Rituale können hilfreich sein; auch Lieder, Symbole, Andacht und Segen.

„Gehet und machet zu Jüngern alle Welt. Lehret sie...!“ (Mt 28)

Wenn zuhause nicht gebetet, gesungen und gesegnet wird - in unseren Gruppen sollte es selbstverständlich sein. So können wir miteinander als Gemeinde wachsen. Einen besonderen Stellenwert haben die Sakramente in unserer Kirche, in der Gemeinde.

a) Taufe

Die Taufe steht selbstverständlich den Kindern offen. Bewusst werden die Kinder durch die Taufe in die Kirchengemeinde aufgenommen. Paten werden ihnen an die Seite gestellt. Am Tauftag stehen die Kinder im Mittelpunkt. Wir kennen eine bunte Vielfalt von Liedern, Texten, zeichenhaften Handlungen die wir kindgemäß verwenden und die oftmals auch die Eltern und viele andere ansprechen und ihnen den Glauben nahebringen. Mit der Taufe wird ein Grund gelegt, der durch das ganze Leben tragen kann. So wie von Martin Luther erzählt wird, der einen Zettel bei sich getragen haben soll: „Ich bin getauft!“.

Im mündigen Alter werden die Konfirmanden um ihr eigenes Bekenntnis zur Taufe gebeten und dies wird oft aufwändig gefeiert. Ein schönes Fest - auch wenn der Anlass dahinter leicht verblasst. Tauferinnerungen gehören in vielen Gemeinden zum kirchlichen Alltag. Die Taufe ist Gleichmacherei! Sie stellt jedes Kind, jeden Jugendlichen, jeden Älteren nebeneinander auf die gleiche Ebene: als geliebte und erlöste Kinder Gottes.

b)  Abendmahl

Was uns bei der Taufe oft gut gelingt, das gelingt uns (noch) nicht überall beim Abendmahl. Während in den einen Gemeinden Kinder selbstverständlich am Abendmahl teilnehmen, bleibt ihnen in anderen Gemeinden die Teilnahme mit Begründungen aus Theologie oder Tradition verwehrt. Doch eine Kirche, die Kinder tauft, muss sich der Frage stellen, wieso sie Kinder vom Tisch des Herrn ausschließt, obwohl es kein anderes Sakrament der Zulassung gibt als die Taufe. Es ist in keiner Familie denkbar, dass Vater und Mutter miteinander essen und trinken, aber Kinder zugucken müssen. Was ist das für eine Botschaft der Liebe Gottes, die Kinder ausschließt, ihnen Brot und Kelch verwehrt?

Schon 1977 formulierte die VELKD mit Blick auf das Abendmahl: „Es ist ein Irrtum zu meinen, man könne nur bejahen und praktizieren, was man lehrmäßig verstanden hat. Vielmehr gehen ein einübendes Verhalten und Erleben dem verstehenden Erfassen häufig voraus.

Doch dies ist keine „moderne Erkenntnis. Schon der Kirchenlehrer Augustinus schreibt (354-430): „Es sind Kinder, aber sie werden zu Gliedern von Christus. Es sind Kinder, aber sie empfangen seine Sakramente. Es sind Kinder, aber sie werden zu seinen Tischgenossen, damit sie das Leben haben."

Und der Reformator Martin Luther hatte betont: „Es steht aber nichts im Wege, dass auch Kindern das Sakrament des Altars gegeben werden kann.“ (Tischreden 1,365,157).